Ein Fenster in der Findorff-Kirche Iselersheim.
Der Kirchenvorstand begrüßt den neuen Pastor Simon Laufer.

Gedenktafel für NS-Opfer in Iselersheim

Nachricht 29. September 2022

Erinnerung an Iselersheimerin Annemarie Gerken

Die Verlegung der Stolpersteine, Foto: Reinhard Brünjes.

Infos zu Stolpersteinen

Zwei kleine Steine im Ortskern von Iselersheim haben viel Aufmerksamkeit geweckt und für Gesprächsstoff gesorgt: Die Anfang Oktober 2021 installierten Stolpersteine für Annemarie Gerken und Stefan Szablewski stoßen auf anhaltendes Interesse. Deshalb hat sich eine Arbeitsgruppe um den Initiator des Stolperstein-Projekts, Hermann Röttjer, entschlossen, zusätzlich eine Gedenk- und Informationstafel zu errichten, die den geschichtlichen Hintergrund beleuchtet. „So können alle, deren Neugier durch die Stolpersteine geweckt wurde, Einzelheiten zum Schicksal von Annemarie und Stefan erfahren“, so Hermann Röttjer.

Gedenkfeier 2021 zur Verlegung der Stolpersteine, Foto: Reinhard Brünjes.

Eine Geschichte, die bewegt

Am 1. Oktober um 15 Uhr wird die Tafel vor dem Heimathaus Iselersheim in einer öffentlichen Veranstaltung enthüllt und vorgestellt. Zu dem Ensemble gehört außerdem ein Gedenkstein, der dem verloren gegangenen Grabstein Annemarie Gerkens nachgebildet ist. Ihre Grabstelle auf dem entwidmeten Friedhof wurde in einer aufwendigen Suche ermittelt.  Zudem wird in einer privaten Trauerfeier vor der öffentlichen Zeremonie der Sohn Annemarie Gerkens, Wilfried Gerken, auf dem heutigen Friedhof beigesetzt. „In allen Begegnungen und Gesprächen rund um die Stolpersteine haben wir gemerkt, wie stark die Geschichte von Annemarie und Stefan die Menschen bewegt“, sagte der ebenfalls beteiligte Pastor Simon Laufer. „Deshalb war es uns wichtig, persönliches Gedenken und historische Erinnerung eng beieinander zu halten.“ Zugleich sei die Geschichte Ansporn, für Demokratie und Menschenrechte einzutreten.

Grausam für ihre Liebe bestraft
Annemarie Gerken aus Iselersheim und der polnische Zwangsarbeiter Stefan Szablewski waren sich 1940 auf einem Hof in Elsdorf begegnet und hatten eine Beziehung begonnen. Die junge Frau aus Iselersheim brachte am 5. Mai 1941 ihren Sohn Wilfried zur Welt. Drei Monate nach der Geburt des Kindes wurde Stefan Szablewski von den Nationalsozialisten demonstrativ öffentlich erhängt. Annemarie Gerken wurde ins KZ Ravensbrück und später ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie im Februar 1943 starb. Wilfried, der Sohn Annemaries, wuchs bis zu seinem neunten Lebensjahr bei seinen Großeltern in Iselersheim auf, bis er mit einem amerikanischen Kriegsschiff in die USA gebracht wurde. Dort wuchs er bei Verwandten auf und kam bis zu seinem Tod nicht mehr nach Deutschland zurück. Sein Sohn Brian wird unter den Ehrengästen der Gedenkfeier sein.

Breite Unterstützung des Projekts
Zur Projektgruppe gehören Regina Bastein, die Großnichte von Annemarie Gerken, Jan Dohrmann von der Gedenkstätte Lager Sandbostel, Hermann Heinecke, der heutige Eigentümer des Hofs in Elsdorf-Badenhorst, auf dem Stefan Szablewski hingerichtet wurde und Dietrich Alsdorf, Archäologe aus Stade. Zu großem Dank ist die Arbeitsgruppe nach eigenen Angaben den Geldgebern des Projekts verpflichtet: die Stadt Bremervörde, die Stiftung der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde, der Landschaftsverband Stade, der Lions Club Bremervörde sowie ein Kreis privater Spender. Hermann Röttjer hebt zudem die Verdienste des Historikers Werner Borgsen hervor, der 1997 durch das Ergebnis seiner Recherchen den Anstoß gab für eine Aufarbeitung dieser tragischen Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des NS-Terrors.